Pünktlich zu den Wahlen: Senkaku-Konflikt als willkommene Ablenkung

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Etwas ist faul in Ostasien, so oder so ähnlich Hamlet. Steckt hinter dem Konflikt Zwischen China und Japan um die Senkaku-Inseln ein Ablenkungsmanöver beider Regierungen? Ein Kommentar von Marco Damm

Umwelt, Korruption, wirtschaftliches und soziales Ungleichgewicht

Sowohl China als auch Japan kämpfen derzeit mit einer Vielzahl von gravierenden Problemen. China, bisher als weltwirtschaftlicher Heilsbringer gefeiert, kann sich möglicherweise doch nicht den Effekten der schwächelnden Weltkonjunktur und der europäischen Krise widersetzen und Gerät in deren Abwärtsstrudel.

Auch zahlreiche Umweltprobleme bereiten der Volksrepublik Kopfzerbrechen, während ein demografisches und soziales Ungleichgewicht droht das Land auseinander zu reißen. Korrupte Politiker und deren Sprösslinge stehen über dem Gesetz. So oder so ähnlich lassen sich die großen Probleme der großen VR China zusammenfassen. Der Streit mit dem japanischen Nachbarn um die Hoheitsrechte über einige Felsen im chinesischen Meer gehören dagegen nicht zu den großen Problemen.

Stagnation, Energiekrise, Vetternwirtschaft und Xenophobie

Auch das Land der aufgehenden Sonne sieht sich zahlreichen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen gegenüber: Eine Wirtschaft die seit mittlerweile zwei Jahrzehnten stagniert und vorsichtigen Schätzungen zufolge in den nächsten 40 Jahren das weltweit schwächste Wachstum haben wird. Eine Energiekrise ausgelöst durch eine jahrzehntelange Vetternwirtschaft in der Branche. Eine unhaltbar niedrige Geburtenrate, ausgeprägte Xenophobie und eine gelähmte Politik sind nur einige der Probleme die Japan heute und in Zukunft zu schaffen machen werden. Der Streit mit den Chinesen um ein fast wertloses Eiland gehört auch für Japan nicht zu den großen Problemen.


Etwas ist faul im Staate Dänemark

Im Lichte der großen Herausforderungen denen sich beide Länder gegenüber sehen, scheint es absurd, dass ein handvoll Inseln den höchsten Stellenwert bei Medien, Politik und in den Köpfen der Bevölkerung beider Länder einnehmen.

Etwas ist faul im Staate Dänemark, wusste schon Hamlet. Dieser Eindruck ergibt sich auch, wenn man erkennt wie (ein nationalistischer) Symbolismus den eigentlich angebrachten Realismus übertrumpft. Ostasiatische Politiker sprechen von Nationalstolz, Identität, Geschichte – und lassen greifbare Probleme unter den Tisch fallen.

Der Dunstschleier des Inselkonflikt soll die wahren Probleme verdecken

In Japan stehen wieder einmal Neuwahlen vor der Tür und Populisten wie Shintaro Ishihara oder Wunderkind Toru Hashimoto gehen mit nationalistischen Parolen auf Wählerfang. Die Fukushima-Katastrophe wird auf internationaler Bühne auf vermeintliche japanisch-kulturelle Eigentümlichkeiten geschoben und die Demonstrationen der Bevölkerung gegen die Atomkraft finden in den von der Politik leicht zu beeinflussenden Massenmedien kaum Beachtung.

Auch in China wird die Führungsspitze der KPCh demnächst ausgetauscht und hinter den Kulissen ist der Kampf um die besten Positionen bereits in vollem Gange. Demonstrieren können die Chinesen normalerweise nicht, in Streit um die Senkakus aber macht die chinesische Regierung eine Ausnahme. Die politischen Karten können neu gemischt werden und die Bevölkerung darf ihren Frust beim Streit mit den verhassten Japanern um ein paar bedeutungslose Felsen im ost-chinesischen Meer auslassen.

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