China: Ferrari-Crash und zwei nackte Frauen werden zum Politikum

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Peking – Ein Ferrari, zwei nackte Frauen, ein Unfall und eine Zwangsversetzung bedeuten nichts Gutes für den chinesischen Präsidenten Hu Jintao.


“Ein schwarzer Ferrari, eine verschneite Nacht in Peking, ein Unfall mit Todesopfer” – so begann ein Beitrag der ABC News Ende März 2012. Sonntagmorgen gegen halb fünf am 18. März ereignete sich nach chinesischen Medienberichten der Unfall in der Nähe des Baofu Tempels. Der Fahrer, ein junger Mann, starb bei dem Crash und seine zwei halbnackten Begleiterinnen wurden schwer verletzt.

Was ABC News und andere im März nicht wussten, ist nun auf langem Weg an das Licht der Öffentlichkeit gedrungen und hat für unvorhersehbare politische Konsequenzen gesorgt.

Der Name auf dem Totenschein war gefälscht

Wie die South China Morning Post am Montag berichtete, war der Todesfahrer Ling Gu, Sohn des KPCh Stabschefs Ling Jihua. Eine Tatsache die unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit gelangen durfte, weshalb “ein ausgeklügelter Plan entworfen wurde um die wahre Identität des jungen Mannes zu verschleiern. Der Name der letztendlich auf dem Totenschein stand war gefälscht”, so ein anonymer KPCh Beamter.

Artikel Update Die South China Morning Post berichtet, dass es sich bei den Mitfahrerinnen um einer Tibetanerin und eine Uigurin gehandelt haben soll. Ob diese Details so stimmen oder hinter den Angaben politisches Kalkül steckt ist weiterhin unklar.


“Die Bevölkerung wird sich fragen wie Ling Gu sich einen 5 Millionen Yuan Luxussportwagen überhaupt erlauben konnte,” so die Morning Post. “So eine Nachricht wird nur bestätigen was die meisten ohnehin schon denken – das Kinder hoher Beamter einen dekadenten Lebensstil jenseits der kühnsten Träume des Volkes führen.”

Ling galt als einer der mächtigsten Strippenzieher der KPCh

Als Konsequenz wurde nun der Vater des Toten Gu – Ling Jihua – von seinem Posten als Stabschef des Präsidenten Hu Jintao entfernt. Ling, 55, galt in seiner Funktion als Berater des chinesischen Präsidenten als einer der mächtigsten Strippenzieher der Kommunistischen Partei.

Ab September 2012 ist Ling Jihuas Leiter der Abteilung “United Front Work Department”, die sich hauptsächlich um Beziehungen zwischen der KPCh und der nicht-KPCh-Elite aus Wirtschaft und Wissenschaft kümmert.

Der ursprüngliche Plan Hu Jintaos sah jedoch vor Ling Jihua im mächtigsten Komitee der Kommunistischen Partei, dem Ständigen Ausschuss des Politbüros der KPCh zu positionieren – ein, durch den Ferrari-Skandal, mittlerweile fast aussichtsloses Vorhaben.

Anstehender Führungswechsel sorgt für Grabenkämpfe

Bedingt durch den anstehenden Führungswechsel in der KPCh gibt es starke innerparteiliche Grabenkämpfe um die mächtigsten Posten innerhalb der Partei. Zuletzt wurde das Netz aus politischen Intrigen sichtbar, als Gu Kailai – Ehefrau des Spitzenbeamten Bo Xilai – wegen Mordes am britischen Geschäftsmann Neil Heywood zum Tode verurteilt wurde. Bo Xilai, der auch als Kandidat für den Ständigen Ausschuss des Politbüros galt – wurde ebenfalls von seinem Posten abgesetzt und seine Mitgliedschaft in der Partei ausgesetzt.

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