Deutsche Medien suggerieren Killer-Sushi

flattr this!

Die deutschen Medien lieben ihren Orient-Exotismus. Verrückte Japaner, eine Chinesen Invasion und Koreaner die den Berliner Flughafen bauen. Neulich versuchten Süddeutsche und Co. eine neue Sau durchs Dorf zu treiben: Das japanische Killer-Sushi

Den Vorwurf die Süddeutsche sei als Verfechter des “Qualitätsjournalismus” viel seriöser als beispielsweise der Kölner Express wollte Werner Bartens – leitender Redakteur im Wissenschaftsressort der Süddeutschen - anscheinend nicht auf sich sitzen lassen.

Bartens, Mediziner und Autor ansprechender Titel wie “Herrlich eklig. Alles über die verkannten Wundersäfte unseres Körpers” und “Glücksmedizin – was wirklich wirkt“, suggerierte in seinem Artikel “Infarkt nach Sushi-Vergiftung?” einen Zusammenhang zwischen dem Tod von Ex-Bundesliga Torwart Bernd Meier und der japanischen Küche.

“Einmal Barrakuda auf Reis mit Geißeltierchen!”

Zur Vorgeschichte: An einem Donnerstagabend vor zwei Wochen starb Maier an einem Herzinfarkt. Bartens schreibt dazu: “Maier (sic!) hatte kurz zuvor (Anm. vor seinem Tod) an Bekannte eine SMS verschickt, wonach er nach einem Sushi-Essen mit Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus liege.” Soweit, so gut.

Was allerdings folgt sind drei Absätze die Bartens auch so aus irgendeinem verstaubten Mediziner-Schmöker kopiert haben könnte, die aber keinerlei Bezug zu Meiers Tod herstellen (können). Wir hören von Bakterien und Viren die das Herz nicht schädigen aber das Blut verdicken. Von exotischen Vergiftungen durch Barrakudas und Zackenbarsche deren Geißeltierchen ein Nervengift (Anm.: siehe unsere Illustration oben) abgeben. Zusammenhänge zu Meiers Tod finden sich keine.

Im letzten Absatz holt Bartels dann noch einmal zum großen Exotismus-Schlag aus und schließt (fast) den Kreis wenn er schreibt “[d]ie oft tödliche Vergiftung mit Tetrodoxin geht fast immer auf den Verzehr von Kugelfisch im pazifischen Raum zurück.” Und jetzt? Hat Bernd Meier einen (oder zwei?) Kugelfische gegessen? Haben die Geißeltierchen ihn auf dem Gewissen? Man weiß es nicht und Bartels verrät es auch nicht – der Artikel endet mit “nach acht bis zwölf Sunden (sic!) bessern sich die Beschwerden meist ohne Behandlung.”


Barracuda auf Reis mit Geißeltierchen

Barracuda auf Reis mit Geißeltierchen

Rettung aus dem Boulevard

Licht ins Dunkel und Aufklärung bringt – man glaubt es kaum – das Kölner Boulevardblatt Express. Denn Express-Leser wissen im Gegensatz zu Lesern der Süddeutschen, Bernd Meier hatte die erste Herzattacke bereits zwei Wochen VOR seinem Tod. Meier erlitt bei einem Spiel seines Amateurvereins einen Schwächeanfall und wurde wegen Herzproblemen in ein Krankenhaus eingeliefert später aber wieder entlassen, so der Express.

Express - Meier hatte erste Herzattacke bereits vor zwei Wochen

Express: Meier hatte erste Herzattacke bereits vor zwei Wochen

Was bleibt

Sucht man zwei Wochen später on- und offline nach den Spuren der Berichterstattung zum Tod von Bernd Meier muss man davon ausgehen, dass ihm eine exotische asiatische Küche zum Verhängnis wurde. Hier eine kleine Auswahl (Anm.: klicken um zu vergrößern):

Die Geschichte Meier habe unter Herzproblemen gelitten und sei diesen letztendlich erlegen klingt natürlich weniger spektakulär und so suggerieren reißerische Überschriften einen Tod durch Barracuda-Sushi, Kugelfisch und Geißeltierchen. So zelebrieren die “Qualitätsmedien” den Exotismus.

Danke (nicht) für die Aufklärung Herr Bartels. Ich hoffe ihre Beschwerden bessern sich in den nächsten acht bis zwölf Stunden – auch ohne Behandlung durch Barrakudas.

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat hinterlassen Sie uns doch einen Kommentar oder abonnieren Sie unseren RSS Feed um auf dem Laufenden zu bleiben!

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

  1. TGIF Sushi zum Stricken Irene Kiss zeigt uns heute wie man sich einen Fisch...