In China wird man verhaftet, vor Gericht gestellt und erschossen

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Der Prozess um Gu Kailais Mord an britischen Kaufmann Neil Heywood erschüttern die Reihen der Kommunistische Partei Chinas und stellt das chinesische Justizsystem auf eine harte Probe.

Gu Kailai am ersten Verhandlungstag

Gu Kailai am ersten Verhandlungstag

In China wird man verhaftet, vor Gericht gestellt und erschossen

In ihrem 1998er Buch über ihre Arbeitserfahrung in den USA schrieb die Anwältin Gu Kailai “Ein amerikanisches Gerichtsverfahren bietet schlechten Menschen immer die Gelegenheit Schlupflöcher zu ihrem Vorteil zu nutzen. [...] Das chinesische Justizsystem ist das fairste… wenn man jemanden tötet wird man verhaftet, vor Gericht gestellt und erschossen.”

Am Donnerstag hat Gu Kailai (53), Ehefrau des früheren Politbüro-Mitglieds Bo Xilai, die chinesische Justiz am eigenen Leib erfahren. Sie stand wegen der Ermordung des britischen Geschäftsmanns Neil Heywood vor Gericht.

Die Anwälte benötigten volle sieben Stunden um Beweise zu präsentieren. Es gab weder Geschworenen noch einen Verteidiger der Zeugen in ein Kreuzverhör genommen hätte – tatsächlich gab es auch kaum Zeugen. Alle Beweise, mit Ausnahme des gerichtsmedizinischen Gutachtens zu Heywoods Tod durch Vergiftung, wurden in Form von vorbereiteten Aussagen präsentiert.

Gu und ihr Hausdiener gestehen den Mord

Am Ende des ersten Verhandlungstermins trat der stellvertretende Direktor des Gerichts, Tang Yigang,  in einem nahe gelegenen Hotel vor die versammelte Presse und teilte Reportern mit dass sowohl Gu als auch ihr Hausdiener Zhan Xiaojun (33) den Mord an Heywood gestanden haben.

Trotz des Geständnisses wird der offizielle Urteilsspruch des Gerichts erst zusammen mit der Verkündung des Strafmaßes verkündet.

Heywood starb an einem vergifteten Glas Wasser

Gu Kailai im Januar 2007

Gu Kailai im Januar 2007


Der 41-jährige Heywood, ein Freund der Familie, wurde am 15. November tot in einem Hotelzimmer in Chongqing gefunden.

Tang teilte weiterhin mit, dass Gu Heywood mit der Absicht ihn zu ermorden zu einem Besuch nach Chongqing eingeladen habe.

Beim Treffen im Hotel trank Gu mit Heywood bis dieser sich übergeben musste. Heywood wurde daraufhin ein mit Gift versetztes Glas Wasser gereicht.

Obwohl das Gericht sowohl Gu als Zhang das Treffen mit den eigenen Anwälten untersagte, trat am Donnerstag eine gut gekleidete und anscheinend wohl genährte Gu Kailai vor das Heifei Mittlere Volksgericht.

Laut chinesischem Gesetz steht auf vorsätzlichen Mord die Todesstrafe, dennoch gibt es Hinweise das Gu mit einem milderen Urteil davonkommt und die Schuld Heywood selbst angelastet wird.

Gu war demnach der Meinung dass “Heywood eine Gefahr für die Sicherheit ihres Sohn darstellte.”

In einer später ebenfalls im chinesischen Staatsfernsehen übertragenen kurzen Zusammenfassung des Sachverhalts teilte Tang mit dass das Opfer (Anm. Heywood) teilweise verantwortlich für die Tat sei, da Gu zur Tatzeit vermindert schuldfähig gewesen sei.

Heywood lebte seit fast 20 Jahren in China und war mit einer Chinesin verheiratet mit der er auch zwei Kinder hatte. Seine und Gus Familie waren eng befreundet und Heywood unterstütze Gus Sohn Bo Guagua (24), bei dessen Eintritt in die prestigeträchtige Hochschule Harrow in Lodon.

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