Cross-Shareholding: Unternehmensstrategie aus dem finsteren Mittelalter

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Kreuzbeteiligungen japanischer Unternehmen kosten Aktionäre knapp 2,6 Milliarden Euro. Ein typisch japanisches Phänomen “aus dem finsteren Mittelalter” wie Analysten meinen.


Hauptsitzt des ehemaligen Mitsui Zaibatsu

Hauptsitzt des ehemaligen Mitsui Zaibatsu

Die Wechselseitige Kapitalbeteiligung

Das Cross-Shareholding oder die Kreuzbeteiligung – im Japanischen kabushiki-mochiai – beschreibt eine vorwiegend im Nachkriegsjapan vorzufindende Konstellation von wechselseitiger Kapitalbeteiligung in Form von Aktien. In dieser Kreuzbeteiligung kaufen und halten zwei Unternehmen jeweils die Aktien der Gegenseite. Ziel des Cross-Shareholdings – so die Theorie – ist es sich wirtschaftlich gegenseitig zu stabilisieren, bestehende Geschäftsbeziehungen zu festigen und ausländische Übernahmen abzuwehren.

Ein Überbleibsel aus der Vorkriegszeit

Obwohl das Cross-Shareholding ein relativ junges Phänomen ist gehen seine Ursprünge in die japanische Vorkriegszeit zurück. Die großen zaibatsu – japanische Industriekonglomerate – kontrollierten im imperialen Japan große Teile der japanischen Wirtschaft. Die Organisation eines zaibatsu war dabei vertikal und wurde von einer Holding Gesellschaft an der Organisationsspitze kontrolliert. Ergänzt wurde die Holdinggesellschaft weiterhin durch eine hunderprozentige Tochterbank die den Tochtergesellschaften finanziell zur Seite stand.

Um einer weiteren Monopolisierung des japanischen Marktes durch die wenigen zaibatsu – darunter Mitsubishi, Yasuda, Mitsui und Sumitomo – entgegen zu wirken entschieden sich die amerikanische Besatzungsmacht nach Ende des 2. Weltkriegs zu einer Zerschlagung der verbliebenen Monopole. Politisch wurde diese Linie jedoch nur kurz von den USA verfolgt, da man den aufkommenden asiatischen Kommunismus fürchtete und dem einen starken japanischen Außenposten entgegensetzen wollte.


Kreuzbeteiligung zur Abwehr ausländischer Übernahmen

Mit der Öffnung der japanischen Finanzmärkte in den 1960er Jahren begannen ausländische Investoren Interesse an japanischen Beteiligungen zu zeigen. Aus Angst vor ausländischen Übernahmen begannen große Unternehmen mit einem rapiden Ausbau der Kreuzbeteiligungen. Die Praxis hat insbesondere Tradition in den traditionellen Industrien wie der Papier-, Stahl- und Energieindustrie. Zu den bekanntesten Unternehmen die diese Linie verfolgen gehören beispielsweise Toyota, Nissan, Toshiba, Sharp und Panasonic.

Während sich Unternehmen so der gegenseitigen Konkurrenzsituation entziehen und in der Vergangenheit ausländische Investoren erfolgreich abwehren konnten, wirken sich beispielsweise fallende Aktienkurse negativ auf die Bilanzen aller Firmen in der Kreuzbeteiligung aus.

Allein im letzten Geschäftsjahr wurden so durch Kreuzbeteiligungen knapp 2,6 Milliarden Euro Verlust durch schwächelnde Aktienkurse erwirtschaftet. Obwohl man glauben sollte diesen Trend [Anm. des Cross-Shareholdings] hätten wir hinter uns gelassen leben einige Unternehmen immer noch im finsteren Mittelalter.

 

Hauptsitzt des ehemaligen Mitsui Zaibatsu

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