Ein schwieriger Markt: HTCs Rückzug aus Südkorea

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Der taiwanesische Hersteller HTC zieht sich endgültig aus südkoreanischen Markt zurück. Trotz konkurrenzfähiger Produkte kam HTC in Südkorea auf keinen grünen Zweig und zieht nun die Konsequenz. Die letzten Zweigstellen werden diese Woche geschlossen.

Der Markteintritt ist für ausländische Unternehmen schwierig und teuer

Samsungs koreanische Hauptstelle

Samsungs koreanische Hauptstelle

Die ostasiatischen Märkte allen voran Südkorea und Japan gelten für ausländische Hersteller als besondere Herausforderung. Dabei sind Smartphones sowohl in Japan als auch in Südkorea noch ein sehr junges Phänomen. Bis vor einigen Jahren dominierten spezialisierte Features-Phones die dortigen Märkte. Diese eher traditionellen Mobiltelefone sind in ihrer Funktion oft speziell auf den regionalen Markt ausgerichtet, haben also Funktionen die beispielsweise nur in Korea nutzbar sind.

In Japan setzen solche Feature-Phones meist auf Nokias Symbian Plattform während sich in Korea bereits früh der sogenannte WIPI Standard etabliert hat. Während das von der koreanischen Regierung zum Standard erklärte WIPI scheinbar Interoperabilität zwischen verschiedenen Providern und Endgeräten gewährleisten soll, stecken auch protektionistische Absichten hinter der Maßnahme, denn mit ständig neuen Funktionen stieg die Komplexität der Software was dazu führte, dass es für ausländische Unternehmen schwierig und teuer wurde in den südkoreanischen Markt einzusteigen.

Die Situation änderte sich erst als RIM von der koreanischen Regierung die Erlaubnis bekam in Kooperation mit SK Telecom Blackberrys in Südkorea zu vertreiben. 2009 wurden dann die letzten Markteintrittshürden fallen gelassen. Gleichzeitig begann der Siegeszug Samsungs auf dem heimischen Markt. Andere Hersteller, darunter Sony, Apple und auch HTC zogen nach und begannen mit dem Verkauf ihrer Smartphones in Südkorea.


Koreaner mögen keine ausländischen Mobiltelefone

Jetzt, drei Jahre nach einer ersten Öffnung des Marktes, zeigt sich ein anderes Bild. Nicht koreanische Smartphones stellen gerade einmal 3,4% des Marktes wobei Apple mit 2% noch am besten abschneidet. Gefragt nach dem Grund für das schlechte Abschneiden der nicht-koreanischen Konkurrenz sagt LGs Chang Kuk Choi dazu “Einzig Apple ist auf dem koreanischen Markt erfolgreich, andere haben versagt. Koreaner mögen keine ausländischen Mobiltelefone. Samsung ist [hier] nun die Nummer 1.”

Japanische Mobilteile werden nicht zuletzt wegen außenpolitischer Spannungen verschmäht

Keine Chance auf dem südkoreanischen Markt - HTC

Keine Chance auf dem südkoreanischen Markt – HTC

Es heisst “Samsung ist Korea” und so ist es nicht weiter verwunderlich dass Markenloyalität, die beispielsweise in den USA von vielen Apple-Fans zelebriert wird, in Südkorea zu einem extremen Markenpatriotismus wird. Die Kunden kaufen fast ausschließlich heimische Marken – allen voran Samsung und LG. Japanische Mobilteile werden dagegen, nicht zuletzt wegen anhaltender außenpolitischer Spannungen, verschmäht. Andere Hersteller wie Nokia liegen in den letzten Zügen, wieder andere wie HTC haben sich bereits aus dem südkoreanischen Markt zurückgezogen.

Solcher Markenpatriotismus wurde und wird auch in Japan zelebriert. Dennoch greifen nach langen Jahren der wirtschaftlichen Stagnation und wegen des starken Yens japanische Kunden immer häufiger auf gleichwertige ausländische Waren zurück. Insbesondere Apple konnte hier einen Innovationsvorteil ausspielen – möglicherweise wird dieser Effekt mittelfristig auch in Südkorea eintreten.

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