Japanische Hochschulen internationalisieren sich nur langsam

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“Eine etablierte Universität  zu verändern ist sehr schwierig. Da können Sie gleich eine neue Universität gründen” meint Mineo Nakajima ehemaliger Präsident der Fremdsprachen-Universität Tokyo.

Der Plan wurde durch die Englisch-Fakultät vereitelt

“Zu meiner Zeit als Präsident der Fremdsprachen-Universität Tokyo habe ich versucht das Englisch-Sprachprogramm umzugestalten um es kommunikationsorientierter auszurichten.” Der Plan wurde letztendlich durch den Widerstand der Englisch-Fakultät der Universität vereitelt.

“Japan ist intellektuell weiterhin sehr verschlossen” erklärt Nakajima der heute Präsident der Akita International University ist. Mit seiner neuen Hochschule plant er für mehr Internationalisierung in der japanischen Hochschullandschaft zu sorgen.

Japanische Studenten wollen nicht ins Ausland

Japanische Studenten

Japanische Studenten

Die Tokyo Universität – auch bekannt als Todai – entsandte im Jahr 2011 nur 53 Studenten ins Auslands, gerade einmal 0,4% ihrer gesamten Studentenschaft.

Nur 133 Studenten und damit nur 0,45% aller Studenten an der Keio Universität gingen für einen Studienaufenthalt ins Ausland.


Zum Vergleich: Im Wintersemester 2006/2007 haben rund 23% der deutschen Studierenden einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt absolviert.

Gründe die für die niedrigen Werte immer wieder genannt werden sind die mangelnde und sogar weiterhin sinkende Bereitschaft der japanischen Studenten im Rahmen des Studiums einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Auch die japanischen Universitäten sind kaum daran interessiert ihre Programme zu internationalisieren.

“Handelsdefizit” im internationalen Austausch

Statt japanische Studenten zu einem Auslandssemester zu ermutigen geht der Trend dahin sich willige Studenten aus dem Ausland zu importieren. Auf diese Weise – so jedenfalls die Theorie – können japanische Studierende Kontakte zu Ausländern knüpfen ohne die Heimat zu verlassen.

In diesem Zusammenhang interessant ist beispielsweise Paul Balluffs Erfahrungsbericht. Balluff absolviert derzeit ein Austauschstudium an der Ritsumeikan Universität in Kyoto. Balluff fasst in einem seiner Blog-Einträge die sozialen Kontakte zwischen Austauschstudierenden und japanischen Studenten wie folgt zusammen:

[..] es gibt eine Sprachbarriere zwischen den internationalen und japanischen Studenten. Ich habe beobachtet dass der Grad der Integration mit den Japanischkenntnissen [Anm.: der ausländischen] Studierenden zusammenhängt.

there is a language barrier between the international students and the Japanese students. I could observe that the level of integration is connected to a student’s Japanese proficiency.

[...]

Aber nicht nur die Sprache sondern auch bestimmte soziale Kompetenzen werden bei der japanischen Oberschulausbildung vernachlässigt.

But not only the language also certain social skills are rather neglected in Japanese high school education.

[...]

Für mich persönlich kann ich sagen dass die meisten meiner Freunde hier andere internationale Studenten stind. Ich habe auch japanische Freunde aber interessanterweise waren alle von diesen mehr als sechs Monate im Ausland.

For me personally I can say, that most friends I made here are other international students. I also have Japanese friends, and curiously almost all of them stayed abroad for more than six months.

Abneigung gegenüber westlich-ausgebildeten Japanern

Andererseits ist die japanische Unternehmenswelt seit langem misstrauisch gegenüber ihren japanischen Landsleuten die eine westliche Ausbildung genossen haben. Kritiker sind der Meinung dass die Abneigung gegenüber jungen Japanern mit internationaler Erfahrung ein wachsendes Problem für die Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Industrie ist.

Während die asiatische Konkurrenz – insbesondere aus China, Südkorea und Indien – immer größere Zahlen von Studenten zum Studium ins Ausland sendet, sinkt die Zahl japanischer Austauschstudenten stetig.

Eine in den USA aufgewachsene junge Japanerin bekam beispielsweise die Rückmeldung dass sie während der Bewerbungsgespräche zuviel lache. Anderen Bewerbern mit westlicher Ausbildung wurden mit offenem Mißtrauen behandelt – ihnen wurde gesagt sie seien zu elitär um [Anm.: in ein japanisches Unternehmen] hinein zu passen und es bestünde die Gefahr dass sie abgeworben werden oder das Unternehmen vorzeitig verlassen würden.

Kazunori Masugo Direktor der Senri International School sagt dazu “Die Umstände in Japan bedeuten für Studenten die ins Ausland wollen, dass diese sich alleine durchschlagen müssen.”

Japanische Studenten

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