Japaner (wieder)entdecken Import-Reis

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Chinesischer Reis den die japanische Handelskette Besia dieses Jahr erstmalig anbot ist schnell aus den Regalen verschwunden. Diesmal jedoch nicht wegen eines Lebensmittelskandals sondern weil japanische Kunden anscheinend Geschmack an dem aus dem Nachbarland importierten Produkt gefunden haben.


Ähnlich Besia verkauft auch Kappa, eine der größten japanischen Fließband-Sushi-Ketten, in Kalifornien angebauten Reis während Matsuya, Japans größte Gyûdon-Kette, eine Mischung aus japanischem und australischem Reis eingeführt hat. Weitere Supermärkte würden laut eigenen Angaben ebenfalls ausländischen Reis in ihr Programm aufnehmen wenn eine konstante Belieferung garantiert würde.

Angetrieben durch sinkende Einkommen und Angst vor verseuchtem Reis aus dem Nordosten Japans – eine der größten Reisanbauregionen Japans – greifen immer mehr Konsumenten und Gastronomiebetriebe auf importierten Reis aus China, Austrlien und den USA zurück.

“Ich glaube nicht dass viele Menschen in der Vergangenheit importierten Reis gekauft hätten aber das ändert sich möglicherweise gerade.” sagt Kana Saito, 29, Teilzeit Büroangestellte. Sie wollte im Tokyoter Walmart 2kg chinesischen Reis kaufen der jedoch ausverkauft ist.

“Die Marke ‘in Japan angebaut’ hat nicht mehr den gleichen Stellenwert”, insbesondere nicht nach Fukushima, meint Frau Saito.

Japans Landwirtschaftsministerium plant bisher keine Erhöhung der Reisimporte die mit einem extrem hohen Einfuhrzoll von 778% besteuert werden um den einheimischen Markt zu schützen und die Binnenproduktion konkurrenzfähig zu halten. Der zollfrei importierte Reis, derzeit 700.000 Tonnen seit 1995, wird nicht für den Verzehr angeboten sondern an Vieh verfüttert oder auf Vorrat gelegt.


Pro Jahr werden in Japan etwa 9 Millionen Tonnen Reis verkauft, davon sind nur etwa 10.000 Tonnen aus dem Ausland importierter Reis. Nach dem quasi-Bekenntnis zum Import-Reis kämpfen nun die Gastronomie und der Einzelhandel um die auf dem Markt verfügbaren Mengen.

Wie die Nikkei Shimbun in einer Umfrage unter sechzig Nahrungsmittelbetrieben herausfand sind 70% der Unternehmen an der Verwendung von importiertem Reis interessiert.

Die japanische Agrar-Lobby steht einer möglichen Öffnung des Reismarktes jedoch ablehnend gegenüber. Die schwindende Loyalität der Hersteller und Konsumenten gegenüber dem japanischen Reis könnte darüber hinaus aber noch ganz andere Folgen für Japan haben. Traditionell sind Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und auch die nationale Identität tief mit dem Reisanbau verflochten.

Dieser Meinung ist auch Toshiyuki Kako, emeritierter Professor des Instituts für Agrikultur an der Universität Kobe. “Eine Öffnung des Marktes für mehr ausländischen Reis würde eine Veränderung im Nachkriegs-Japan bedeuten. Dies zeigt wie sehr sich Einstellung der Verbraucher in den letzten Jahren geändert hat” so Kako.

Reisbauern und -produzenten aus den USA sehen der Entwicklung dagegen positiv entgegen und wünschen sich, dass der Markt und nicht die Politik die Nachfrage nach US-amerikanischem Reis regeln.

Für Bauern aus der Region um Fukushima könnte das gesteigerte Interesse an importiertem Reis jedoch nicht zu einem schlechteren Zeitpunkt kommen. Seit Jahren arbeiten Bauern aus der Region daran neue hoch qualitative Sorten zu entwickeln doch durch die Fukushima Katasstrophe reagieren viele japanische Verbraucher skeptisch auf Produkte aus der Region. Die Folge sind weit niedrigere Preise für Reis der auf Feldern im Nordosten Japans angebaut wurde.

Eine Studie des JCGRI zeigt einen erhöhten Absatz von günstigem Reis und einen Rückgang bei den teureren Sorten. Experten sind der Meinung das insbesondere jüngere wenig wohlhabendere Kunden auf die günstigen Reissorten zurückgreifen. Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten sind ein weiterer Faktor der für einen insgesamt rückläufigen Reiskonsum verantwortlich ist. Die traditionellen Fisch-und-Reis Gerichte konkurrieren heute mit Pizza, Pasta und Fast-Food.



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