Erste kritische Reaktionen zum NAIIC-Report

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Nachdem schnellinterkulturell schon am 11. Juli den NAIIC-Report mit einem offenen Brief an den Japan-Korrespondenten des Handelsblatts aufgriff mehren sich die kritischen Stimmen. Prominente Persönlichkeiten wie Japan-Experte Gerald Curtis und der japanische Nobelpreisträger Kenzaburo Ôe melden sich kritisch zu Wort.

Gerald Curtis verfasste den Artikel “Stop blaming Fukushima on Japan’s culture” (dt. Hören Sie auf die japanische Kultur für Fukushima verantwortlich zu machen) für die britische Ausgabe der Financial Times. Curtis verurteilt besonders die Formulierungen der NAIIC-Kommission das Fukushima Unglück sei “made in Japan” und “wären andere Japaner an der Stelle der Verantwortlichen gewesen, so wäre das Ergebnis wohl möglich das Gleiche gewesen.”

Die japanische Kultur für den Fukushima-GAU verantwortlich zu machen sei dagegen die ultimative faule Ausrede, da sobald Kultur das Verhalten erkläre niemand die (persönliche) Verantwortung übernehmen müsse. Curtis argumentiert weiter, dass Menschen die Willensfreiheit besäßen eine Wahl zu treffen, das Problem seien die Entscheidungen und nicht der kulturelle Kontext in dem diese getroffen werden.


Auch Kenzaburo Ôe durchschaut die fadenscheinige Argumentation des NAIIC-Reports. Ôe, der 1994 den Nobelpreis für Literatur erhielt, erklärte bei einer Pressekonferenz dass er mit Kiyoshi Kurokawa dahingehend übereinstimme dass man die japanische Mentalität gründlich überdenken müsse. Obwohl Ôe grundsätzlich zustimmte dass die Ursprünge des Fukushima-Unglücks die japanische Kultur sei, betonte der Nobelpreisträger dass die Verantwortung Einzelner und der Organisationen die Japans Politik der friedlichen Nutzung von Atomkraft propagiert  haben nicht vergessen werden dürfe.


“Stop blaming Fukushima on Japan’s culture” by Gerald Curtis in Financial Times. 10.07.2012

“Oe: It’s time for Japanese to change their mentality” by Hiroshi Matsubara in The Asahi Shimbun. 12.07.2012

Kenzaburo Oe spricht beim FCCJ ueber NAIIC

Kenzaburo Oe spricht beim FCCJ über NAIIC

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